Willkommen auf der Seite des Forschungsprojekts KiBi zum Thema polnisch-deutsche Zweisprachigkeit bei Kindern!

Trifft eines der gesuchten Profile auf Ihr Kind zu? Ist Ihr Kind jetzt …

1. 5-12 Jahre alt und lernt von Geburt an Polnisch und Deutsch? (z.B. weil jeweils ein Elternteil deutsch- bzw. polnischsprachig ist)

2. 7-9 Jahre alt, lernt von Geburt an Deutsch und ab dem 3.- 4. Lebensjahr auch Polnisch? (z.B. weil die Familiensprache Deutsch ist und eine polnische KiTa ab dem Alter von 3-4 Jahren besucht wurde)

3. 10-12 Jahre alt, lernt von Geburt an Deutsch und ab dem 6.- 7. Lebensjahr auch Polnisch? (z.B. weil das Kind in diesem Alter nach Polen gekommen ist)

Dann würden wir uns sehr freuen, wenn Ihr Kind an unserer Studie teilnimmt! (Zeitraum: Schuljahr 2016/17)

Ansprechpartner:

mgr Kamil Długosz
Uniwersytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu
Wydział Neofilologii
Instytut Lingwistyki Stosowanej
Zakład Badań nad Wielojęzycznością
Tel.: +48 500 032 606
E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

WIE VERLÄUFT DIE STUDIE?

Wir untersuchen die Sprachkenntnisse der Kinder im Polnischen und im Deutschen, indem wir auf spielerische Art verschiedene Sprachtests durchführen, die den Kindern Spaß machen werden: Nach einem Kennenlern-Gespräch werden die Kinder Ergänzungs- und Multiple-Choice-Aufgaben lösen, Bildergeschichten erzählen, Dialoge nachsprechen und kurzweilige Zeichenspiele machen.

Um jeder Sprache ihren eigenen Raum zu geben und das Kind nicht zu verwirren, werden die deutsche und die polnische Version des Tests von zwei verschiedenen Forscherinnen an verschiedenen Terminen durchgeführt.

Da Sie, die Eltern, die wichtigsten Ansprechpersonen zur Sprachentwicklung Ihrer Kinder sind, möchten wir auch mit Ihnen ein Gespräch führen und einige Fragen zur Sprachbiografie Ihres Kindes besprechen.

Kontaktieren Sie uns per Telefon oder Email (auf Deutsch oder Polnisch), um mehr über die Möglichkeit einer Teilnahme Ihres Kindes zu erfahren! Wir rufen Sie gerne zurück und beantworten Ihre Fragen.

WIE VERLÄUFT BILINGUALER SPRACHERWERB BEI KINDERN?

Es gibt verschiedene Arten kindlicher Zweisprachigkeit. Manche Kinder sind seit ihrer Geburt in Kontakt mit zwei Sprachen, zum Beispiel weil ihre Eltern aus verschiedenen Ländern kommen und jeweils ihre Muttersprache mit dem Kind sprechen; sie sind also „simultan bilingual“. Manche beginnen mit Eintritt in den Kindergarten mit dem Erwerb des Deutschen, andere kommen erst im Schulalter nach Deutschland; diese Arten von Bilingualität nennt man frühkindlich-sukzessiv.

Zweifelsohne können all diese Kinder zwei Sprachen erwerben. Welche Auswirkungen das unterschiedliche Alter bei Erwerbsbeginn der zweiten Sprache langfristig auf ihre Kompetenz in beiden Sprachen hat, und welche sonstigen Faktoren für die Sicherung des Spracherwerbserfolgs eine Rolle spielen, ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Daraus ergeben sich die drei Ziele unserer Studie:

WAS SIND DIE ZIELE DES PROJEKTS KiBi?

1) Die Rolle des Alters bei Erwerbsbeginn für den langfristigen Spracherwerbserfolg:

Kinder lernen ihre Muttersprache auf eine intuitive Art und Weise, die für Erwachsene nicht mehr zugänglich ist. Verantwortlich für den Spracherwerbsvorteil von Kleinkindern ist ihr Gehirn: Im Laufe der neuronalen Entwicklung gibt es sogenannte „sensitive Phasen“. Das sind Zeitfenster, in denen das Gehirn besondere Fähigkeiten am besten erlernen kann – vorausgesetzt, es bekommt in dieser Zeit den passenden „Input“, zum Beispiel den intensiven Kontakt zu einer neuen Sprache.

Aber wann endet diese Fähigkeit des scheinbar mühelosen ungesteuerten Spracherwerbs? Das ist eine zentrale Frage in der Psycholinguistik, deren genauere Beantwortung auch für die Bildungspolitik, für Lehrpläne und den Beginn von Sprachfördermaßnahmen von großer Bedeutung ist.

Im Projekt KiBi vergleichen wir daher drei Gruppen von bilingualen Kindern, die mit null, 3 - 4 oder 6 - 7 Jahren mit dem Erwerb des Deutschen begonnen haben, und untersuchen, ob und wie sie sich in ihrer Sprachkompetenz voneinander unterscheiden. Wenn die „sensitive Phase“ zumindest für bestimmte Aspekte des Spracherwerbs zum Beispiel bereits vor dem 6. Lebensjahr endet, sollten sich die Kinder der dritten bilingualen Gruppe von den anderen in ihrer Sprachkompetenz des Deutschen unterscheiden. Auch die Kompetenz in der Erstsprache – in unserer Studie das Polnische – könnte sich aber je nach Erwerbsbeginn der Zweitsprache unterschiedlich entwickeln. Deswegen führen wir alle Tests in beide Sprachen durch.

2) Soziale, emotionale, und andere außersprachliche Einflussfaktoren:

Das zweite Ziel besteht darin, die Bedeutung anderer sprachlicher sowie außersprachlicher Faktoren für den langfristigen Spracherwerbserfolg zu ermitteln. Dazu zählen zum Beispiel, wie viel sprachlichen Input ein Kind in den jeweiligen Sprachen bekommt, welche Einstellung das Kind, aber auch sein Umfeld zu den Sprachen hat, der Status der Sprachen als Minderheiten- oder Mehrheitssprache, und viele mehr. Da Daten zu beiden Sprachen und in beiden Ländern (Deutschland und Polen) gesammelt werden, können wir den Einfluss außersprachlicher Faktoren optimal vergleichen.

3) Zwischensprachlicher Transfer:

Wenn Kinder mehrere Sprachen gleichzeitig erwerben, können sie Strukturen einer Sprache in die andere übertragen. Das kann den Wortschatz genauso betreffen wie die Grammatik oder Aussprache. Diese Generalisierung von implizitem sprachlichem Wissen kann den Erwerb der zweiten Sprache unterstützen, nämlich wenn sich die beiden Sprachen in diesem Bereich tatsächlich ähneln. Transfer kann aber auch zu nicht zielsprachlichen Äußerungen führen. Im Projekt KiBi wird die Frage im Mittelpunkt stehen, ob sich die im Projekt untersuchten Proband*innengruppen und Sprachen im Bezug auf die Häufigkeit des Auftretens von Transfers unterscheiden und wie stark sich Transfer in den untersuchten grammatischen Phänomenen bemerkbar macht, d.h. wie anfällig die Bereiche gegenüber zwischensprachlichem Einfluss sind.

In Deutschland wird das Projekt von Prof. Dr. Bernhard Brehmer vom Institut für Slawistik der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald durchgeführt und aus Mitteln der DFG gefördert.

In Polen wird das Projekt von Prof. Aldona Sopata vom Lehrstuhl für Mehrsprachigkeitsforschung der Adam-Mickiewicz-Universität geleitet und aus Mitteln des NCN gefördert.